Feedback *Das Waisenmädchen und der Lord* von Laura Gambrinus

Feedback *Das Waisenmädchen und der Lord* von Laura Gambrinus

15. November 2018 0 Von Melinda

Kurzbeschreibung:

Lord Rennison, Marquess of Marlborough, ist ein Mann, der zu seinem Wort steht. Er hat einem Kameraden auf dem Sterbebett sein Versprechen gegeben, sich um dessen kleine Tochter zu kümmern, sollte er heil aus dem Krieg heimkehren. Also lässt er alles für das Mädchen vorbereiten: Eine Schaukel im Park anbringen, ein Zimmer einrichten, Personal abstellen. Ihr wird es an nichts mangeln und er selbst wird das Geschöpf kaum zu Gesicht bekommen, dafür hat er gesorgt.

Aber anstelle eines Kindes entsteigt eine junge Frau der Kutsche. Statt der Nanny wird eine Zofe gebraucht, statt des Spielplatzes ist ein Bräutigam gefragt, denn die junge Dame soll schnellstmöglich verheiratet werden und das Haus verlassen. Doch unter all den Männern, die um die hübsche Alice werben, ist kein einziger, der den Ansprüchen des gestrengen Vormunds genügt, und der Marquess findet immer neue Gründe, die Herren hinauszukomplimentieren. Schließlich muss sich der Lord die Frage stellen, ob sich die temperamentvolle, lebensfrohe Alice in sein eigenes Herz geschlichen hat.
(Quelle: www.cumedio.de)


Mein Leseerlebnis:

England 1815: ein finsterer Mann, verschrien als “wüster Lord”, muss sich nach dem Schock, sich plötzlich um ein Kind kümmern zu müssen mit dem Dilemma auseinander setzen, dass dieses Mündel in keinster Weise mehr ein Kind ist, sondern viel mehr eine erwachsene, hübsche und durchaus interessante junge Frau ist

Die Idee der Autorin zu der Geschichte hat mich direkt für sich eingenommen. Auf den Inhalt der Geschichte möchte ich gar nicht weiter eingehen, denn dieser ist bereits im Klappentext klar umrissen.

Dennoch habe ich einiges von meinem Leseerlebnis zu berichten, denn es steckt so viel in diesem Buch. Allem voran viel Gefühl, in all seinen grausigen und wunderschönen, hoffnungsvollen und verwirrenden Facetten.

Die weibliche Protagonistin ist Alice. Eine junge Frau von etwa 20 Jahren, die dazu angehalten wird, sich ihrem neuen Vormund, dem Marquess of Marlborough Lord Rennison Palmer-Lytton, gegenüber als unauffällig, reiz- und geistlos zu geben. Besonder das “geistlos” gestaltet sich jedoch schwer, ist ihr Geist doch fast ebenso flink und messerscharf wie ihre Zunge, die sie kaum im Zaun zu halten vermag. 
Trotz des Drängens von allen Seiten ihre Tugend durch Einfalt und Biederkeit zu schützen, wird Lord Rennison und auch dessen Mutter rasch klar, dass in dem Mündel aus einfachen Verhältnissen nichts einfältig ist.

Es würde sich auch innerhalb kürzester Zeit ein Ehemann für sie finden lassen. Nur leider erscheint dem Lord keiner der Bewerber geeignet zu sein.


Alice ist ein cleverer und sehr empathischer Charakter, der mir gut gefallen hat. Sie hat ein gutes Gespür für Befindlichkeiten der Menschen um sich herum und bietet der herablassenden, herrischen und manches Mal gar finsteren Art ihres Vormundes rasch die Stirn.

Den “wüsten” Lord Rennison empfand ich als sehr facettenreichen Charakter.
Mitsamt seines frauenverschlingenden Rufs kehrt er aus dem Krieg zurück und ist in vielerlei Hinsicht nur noch ein Schatten seiner selbst, nachhaltig traumatisiert von seinen schrecklichen Kriegserlebnissen. In diese Tristesse gesellt sich nun plötzlich ein Mündel, das ihn wieder Farben sehen lässt.

Die erste Brücke zwischen Alice und Rennie bildet Homers “Odyssee”. Nicht nur als Idee bezaubernd, sondern auch sprachlich gekonnt in Szene gesetzt. Dabei vermittelt die Autorin so viel Gefühl, ohne dass auch nur eine Berührung stattfindet. Das hat mich wirklich nachhaltig fasziniert. 

Eine weitere Figur in der Geschichte, die mir besonders gut gefallen hat, ist Rennies Mutter, Lady Margret. 
Sie ist direkt, streng und sehr geradlinig und ehrgeizig, sobald sie ein Ziel ins Auge gefasst hat. Außerdem ist sie eine Frau mit einem äußerst raffinierten Verstand.
Sie ließ sich nicht so schnell in die Karten schauen, sodass man als Leser so manches Mal von ihren Gedankengängen überrascht wurde, die hier und da oft nur durch wenige Worte, Andeutungen oder kleine Gesten durchblitzten um am Ende in einem fulminanten Finale zu münden.

Alles in allem möchte ich sagen, dass Laura Gambrinus mit “Das Waisenmädchen und der Lord”ein Werk ganz nach meinem Geschmack geschaffen hat.
Mit viel Gefühl und tiefe Einblicke der Protagonisten in die Irrungen und Wirrungen der Liebe, mit Gedanken um Pflichtgefühl, Schicklichkeit und die Steine ebenso wie die Blumen, die das Leben bietet, hat sie mich im Nu in das Leben von Alice und Rennie mitten ins 19. Jahrhundert katapultiert.
Mit einem seligen Aufseufzen und schönen Gedanken schloss ich das Buch. Was will man als Leser mehr?!

 


Herzlichen Dank für die Überlassung dieses Werkes zu Rezensionszwecken an Laura Gambrinus und an den Cumedio Verlag, was jedoch keinerlei Einfluss auf meine Meinung zur Geschichte hatte. 

Eure


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Titel: Das Waisenmädchen und der Lord
Autor: Laura Gambrinus
Verlag: Cumedio Verlag (5. / 6. September 2018)
Formate (Seitenzahl/Dateigröße): eBook (2443 kB), Taschenbuch (347 Seiten)
ISBN / ASIN: 978-1717968159 / B07H4Q1LZM
Preise: eBook € 3,99, Taschenbuch € 10,90 (Stand 15.11.2018)